← Auf Französisch lesen · Read in English

Die Hängematte und die Kolibris. Ein Roman von Karine BaridonKapitel 17 —
Zwischenstopp auf der Presqu'île du Sel

Motto

Wir ziehen in den Süden,
doch wir müssen uns verlaufen haben
zwischen Hölle und Paradies…

Der Text

Arbeitsübersetzung, wird noch von Muttersprachlern gegengelesen.

„Endlich können wir los!“ Und das nennt er eine gute Nachricht?

Ich hatte einen Job, ein Leben, gebuchte Ferienwohnungen, Pläne, aber das war vor dem Berg. Ich komme von dort zurück mit nichts als den Kleidern am Leib. Der Wikinger rät mir, mir einen Runendeuter zu nehmen, um meinen Schild gegen meinen Ex-Chef zu erheben. Ich will einfach nur das Kapitel abschließen, aber er besteht darauf und legt nach: „Ich habe alles für dich aufgegeben. Ich bin 2000 km mit meinem drak-car XXL gefahren, damit wir wieder zusammen sind.“

Wir haben nicht mal Zeit zum Einparken, da stürmt schon ein Nachbar auf uns zu: „Nein, nein, nein! Das Parken ist hier untersagt, meine Herrschaften!“

Das darf doch nicht wahr sein! Und täglich grüßt das Murmeltier: eingeklemmt zwischen zwei Streithähnen… und ich versuche schon wieder, die Wogen zu glätten! 3. Runde.

Ich — Für wen halten Sie sich eigentlich? Für den Parkplatzwächter? Sie sind nicht glaubwürdig, wo Sie doch der Einzige in der Wohnanlage sind, der sein Wohnmobil hier „das ganze Jahr über“ parkt! Also hören Sie, ich hatte einen harten Tag, und wenn Sie weiter Hilfssheriff spielen, fangen Sie sich gleich eine. Ich muss mich abreagieren!

Nur dass ich von Streit Ausschlag bekomme. Also habe ich natürlich nichts gesagt, gar nicht-gar nicht, ich bin sehr höflich geblieben. Ich habe ihn mit Samthandschuhen angefasst: „Werter Herr, ich danke Ihnen für Ihre Fürsorge, aber ich bin gerade 900 km gefahren, ich bin ein bisschen müde. Ich bin genauso Eigentümerin wie Sie, und wir bleiben nur ein paar Tage. Jetzt würde ich wirklich gern nach Hause und mich ausruhen.“

Seit meiner Geburt tue ich alles, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, denn ich weiß, dass sich Schwingungen auf derselben Wellenlänge anziehen. Aber mit dem Wikinger wiederholt sich immer dasselbe Drehbuch! Ich habe keine Geduld mehr, ich will einfach nur meine Ruhe haben! Zurück in mein kuscheliges Nest, mich unter meiner Bettdecke einrollen und 24 Stunden schlafen! In meiner Hängematte träumen und nach dem Aufwachen in Ruhe überlegen, was ich jetzt mache.

Aber nein! Der Wikinger gerät in Panik! Das Blut kocht ihm in den Adern, er dreht hoch, ihm qualmen die Ohren und er wird wütend! Der Nachbar macht sich im Laufschritt aus dem Staub…

Wir gehen durch den Keller rein, Bumm! ich fahre erschrocken herum, das hat gerade noch gefehlt! Der Riese ist mit der Stirn gegen die Rohre an der Decke gekracht, sein Schädel dröhnt noch! Ich stürze panisch zu ihm… Er explodiert!

Bitte sehr! Ich sprach ja von schlechten Schwingungen: Da haben wir’s! So einen Lärm hat man seit den 60er-Jahren nicht mehr gehört, seit das Haus gebaut wurde. Aber der Wikinger hat einen Dickschädel, härter als Gusseisen. Viel zu gekränkt, weigert er sich, bei mir zu bleiben und sich auszuruhen, und am nächsten Tag zum Familienessen zu kommen. Nein! Er kann doch nicht lächeln und so tun, als wäre alles in Butter! Er erstickt hier! Er hat eine bessere Idee: weit weg von hier!

Ziel der Extreme: die Halbinsel der Verrückten, wo die Kiter mitten im Winter dem eiskalten Meer trotzen, nur „für den Kick“. Er parkt seinen drak-car auf dem Sandparkplatz, vom Sturm verwüstet und vom Wind gepeitscht.

Kapitel 17 des Romans Die Hängematte und die Kolibris: oben, auf der eisigen Halbinsel, telefoniert der Wikinger voller Raureif, den Arm zum Meer ausgebreitet, sein zitternder Hund zu seinen Füßen; unten sitzt Coraline unter Decken eingekuschelt mit einem heißen Tee und lächelt, schön warm bei sich zu Hause.

DRRRING der Wikinger: „Komm, es ist magisch, es ist rau, es ist das Abenteuer mit großem A.“

Ich: „Bei -3 °C, mit Böen von 30 Knoten? Nein danke! Ich bleibe lieber mollig warm unter meiner Kuscheldecke!“

Er — Eben drum. Du bist zu weich. Du musst dich abhärten! Übersetzung: Komm, frier dir den Hintern ab, ohne Dusche und ohne Heizung, mit meinen Haaren auf den Zähnen und meinen Hundehaaren überall!

Er ist sauer, wirft mir vor, ihn nicht zu lieben, mir sei die Wärme lieber als die wahre Liebe, statt zu ihm ins Unwetter zu kommen!

Ich denke: „Also forget meine Hängematte und meine Kolibris, oder was?“ Gutmütig, wie ich bin, gebe ich nach.

Dort gibt es nichts! Außer einer klirrenden Kälte, seinem drak-car, seinem Blick eines verwundeten Engels, Big Dog und einem Kühllaster, der direkt vor ihm parkt. Sein Traum!

Kaum angekommen, klopft das große Kind direkt an die Tür, um ihn zu besichtigen. Nutzt die Gelegenheit, mit dem Kiter-Pärchen Bier zu trinken, und drängt mich, es ihnen gleichzutun: alles aufzugeben und mit ihm in sein nordisches Exil hinaufzuziehen.

Er, Feuer und Flamme — Komm, wir bauen uns ein Blockhaus, wir stellen unsere 20-Meter-Antenne auf, wir verbinden uns mit der XXL-Welt, wir leben wild!

Ich denke — Mir ist eher nach gegenseitigem Respekt, Gleichgewicht und Frieden, nicht nach einem Riesen-Walkie-Talkie mitten im Wald. Träum ruhig weiter vom hohen Norden in deinem drak-car aus der Hölle, wenn du willst, mit deinem tiefgefrorenen Pimmel, deinen Hüftschmerzen, deinem Big Dog und deiner Antenne zum Mars. Ich persönlich bleibe lieber zu Hause, da ist es sicherer.

Er — Aber bei mir hast du nichts zu befürchten. Ich kann für dich sorgen.

Ich — Ich weiß. (Genau das ist ja das Problem.) Warte, ich überlege…
(Wer, um Pimmels willen, hat mir gesagt, ich soll mein Geschäft aufgeben? Wer, um Pimmels willen, hat mir die Hölle auf Erden bereitet? Wer, um Pimmels willen, hat mich mehrmals aus SEINEM drak-car geworfen, nachts, im Schnee? Wer, um Pimmels willen, hat mich meinen Job gekostet? Und wer, um Pimmels willen, sitzt jetzt auf der Ersatzbank, ohne einen roten Heller?)

— So, fertig überlegt! Äh, nein, eigentlich doch nicht! (Keine Lust, schon wieder rausgeworfen zu werden!) Ich vermiete lieber meine Wohnung, bis ich wieder Arbeit finde, um ein Blutbad zu vermeiden, wie mit dem OTT*.

Nach etlichen Streitereien, bei denen jeder stur auf seinem Standpunkt beharrt, fährt er allein hoch ins Bas-Valhalla. Ich bin ihm nicht gefolgt. Ich habe meine Würde und meine Heizung behalten, na ja, bei meinen Eltern, die immer bereit sind, mir zu helfen, die schon! Weit weg von meinem angebeteten Wikinger, aber endlich in Ruhe, dachte ich jedenfalls! Denn auf der Rückfahrt schmiedet er einen Plan…


Sonntag ist Showtime!

Der Journalist — Warum bist du zu ihm auf die Presqu'île du Sel gefahren?

Die Autorin — Hast du gesehen? Erbärmlich! Er war in Panik geraten, also bin ich hingefahren, um ihn zu beruhigen und die Verbindung nicht abreißen zu lassen… Ich konnte meinem Ideal nicht entsagen, er verkörperte meine Reiseträume, und er war so schön! Liebe macht blind und geduldig! Aber…

Die Vase, wo dies Eisenkraut verblüht, bekam vom Fächer einen Sprung…*

Der Wikinger — Ich wollte doch nur, dass wir zusammen nach Hause fahren!

Die Autorin — Ich habe Monate in deinem drak-car verbracht, du hast nur eine einzige Nacht in meiner Hängematte geschlafen! Du wolltest gar nicht hinein, du wolltest mich nur herausholen!

Der Wikinger — … Ich hol mir noch ein Bier.

Der Journalist — Während er es holt: Was schlägst du dem Leser vor?

Die Autorin — Zwei Antworten an einen Aggressiven aufzuschreiben: die, die er ihm am liebsten sagen würde, und die, die er ihm wirklich sagt*.

Der Journalist — Hast du deinen Frieden wiedergefunden?

Die Autorin — Das dachte ich zumindest, aber er dachte gar nicht daran, so schnell lockerzulassen, ich sollte mein blaues Wunder erleben!

* OTT: der Giftige Tentakel-Seeigel. ↩

* … der Schlag hat sie wohl kaum berührt: kein Laut verriet die Kränkung. […] Rührt sie nicht an, sie ist zerbrochen. Sully Prudhomme, Die zerbrochene Vase (Le Vase brisé), Stances et poèmes*. ↩

Ein Gratis-Roman zum Online-Lesen: bio, recycelt, ideal zum Feuermachen in langen Winternächten. Er verwandelt Chaos in eine kreative Goldmine, Ängste in Lachen und Leser in Schöpfer. Zero Waste. Sehr umweltfreundlich.

Themen dieses Kapitels

Nachbarschaftsstreit um einen Parkplatz · mein Partner will, dass ich alles aufgebe und ihm folge · im Winter im Van leben · Kitesurfen im Winter · „Ich kann für dich sorgen“: vom Partner abhängig sein · Nein sagen ohne schlechtes Gewissen