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Die Hängematte und die Kolibris. Ein Roman von Karine BaridonKapitel 16 —
Die Gans mit Maronen

Mottos

Michel Audiard — Mein Onkel, der Gangster*
Mit Dummheiten ist es wie mit den Steuern: Am Ende zahlt man sie immer.


Es gibt Weihnachten wie im Märchen, ein feuchtfröhliches Silvester… und die Gans mit Maronen, schön gefüllt!

Der Text

Arbeitsübersetzung, wird noch von Muttersprachlern gegengelesen.

Nach einer Woche Streit schwenkt der Wikinger die weiße Fahne. Waffenstillstand… Er meckert seit fünfzehn Minuten nicht mehr. Ein Rekord!

Er — Es ist Silvester! Lass uns das Kriegsbeil begraben, ich lade dich ins Restaurant ein!

Ich — Nein danke, ich bin müde, und mein Lohn ist noch nicht da.

Er — Keine Sorge, ich lade dich ein, damit wir mal ein bisschen abschalten.

Ich — Nein, ich bin völlig erledigt. Ich träume nur noch vom Schlafen.

Er — Komm schon! Ein Tapetenwechsel und ein bisschen feiern, das tut uns gut!

Eine Viertelstunde später… mit meinem Latein am Ende

Ich — Meinst du? Vielleicht hast du recht… fahren wir ins Dorf?

Er — Nein, ich fahre nachts nicht gern über Glatteis nach Hause.

Ich — Und ein Restaurant im Skiort?

Er — Auch nicht, ich hab eine bessere Idee! Wir gehen einfach nebenan, dann können wir trinken und zu Fuß heimgehen.

Ich — Oh nein, da arbeite ich, da kann ich doch nicht abschalten! Mein Chef gibt ein Essen für den ganzen Skiort. Er steht unter Druck. Das ist DER Abend der Saison!

Er — Doch! Das ist die beste Option! So, ich hab schon reserviert, komm in meine Arme! kiss kiss

Der Wikinger lädt sich selbst ein, mit seinem meterhohen Big Dog. Ich lächle verlegen und bin auf der Hut. Hinter seiner charmanten Fassade ist er seit einer Woche gespannt wie ein String. Ich rechne mit dem Schlimmsten, er sucht einen Vorwand… Bingo! Man hat unseren Tisch (oder eher sein Ego) mitten in den Gang gestellt.

Kapitel 16 des Romans Die Hängematte und die Kolibris: In einem Bergrestaurant an einem Festabend stolpert ein Kellner über den riesigen schwarzen Hund, der quer im Gang liegt, sein Tablett fliegt davon, Coraline springt auf, um es aufzufangen, und der Wikinger, ein blonder Mann mit langen Haaren, lacht schallend, ohne sich von seinem Stuhl zu rühren.

Er — Jetzt reicht’s!

Ich — Bitte mach keine Szene. Wir sind hier, wir bleiben hier.

Der Wikinger steht polternd auf, schwankt schwer und brüllt, was das Zeug hält:

Er — Wir gehen! Kommst du mit, oder ist es aus? Ich oder dein Chef?

Nette Stimmung! So, er hat es geschafft. Er hat mich schön an der Nase herumgeführt. Natürlich hat er sich ausgerechnet Silvester ausgesucht. Das echte, das einzige, das schmerzhafte. Allen ist es peinlich, nur ihm nicht: Er tobt und triumphiert heimlich. Ich gehe ihm nach, um das Schlimmste zu verhindern. Ich will sofort zurück, mich entschuldigen und unsere beiden Essen bezahlen. Nur wird es draußen schlimmer…

Der verratene Kaiser zetert wie ein Gänserich. Der Ton ist zu laut, ich schalte ihn lieber stumm. Ich behalte nur die Bilder und lege als Tonspur Stille Nacht darunter, in der Hard-Rock-Version. Der nordische Werwolf heult das ganze Essen über draußen im Schnee. Den Rücken an seinen drak-car gelehnt, ein Bier in der Hand, das er aufs Restaurant richtet. Von Weitem trinkt er, er pöbelt, damit mein Chef ihn hört, nehme ich an. Zum Glück hören wir ihn nicht! Die Musik übertönt ihn. Ich hoffe sehr, dass es drinnen im Restaurant genauso ist.

Langscheißweilig hoch zehn, er reitet mich bis zum Hals in die Kacke! Ich muss warten, bis seine Platte mit Sprung sich in der Dauerschleife totgelaufen hat… Nach zwei Stunden ist sein Akku leer. Ich gehe zurück zu meinem Chef, kleinlaut, den Blick auf den Schuhspitzen, nicht zuversichtlich, gar nicht-gar nicht!

Ich — Es tut mir leid, leid, leid, wie er sich benommen hat. Wirklich, für Sie wie für mich! Ich bezahle für uns beide.

Der Chef — Nein. Dafür… kannst du deine Koffer packen. Und er feuert mich.

Nur lief es in dem Moment ganz und gar nicht so, gar nicht-gar nicht! Der Chef ist ein Profi, er bleibt sehr höflich.

Der Chef — Nein, lassen Sie nur. Sie haben ja nichts gegessen.

Ich — Doch, das ist mir wichtig, ich bestehe darauf.

Der Chef — Sie sind eingeladen, das geht auf mich.

Ich nehme an, nicht überzeugt, gar nicht-gar nicht! Ich stehe nicht gern in seiner Schuld… aber da er mir meinen Lohn immer noch nicht gezahlt hat, kommt mir das ehrlich gesagt gelegen. Rache ist ein Gericht, das man tiefgefroren genießt. Ich muss auf meinen Lohn warten: Er zieht es bis zum letzten Gast hin. Das Ganze spielt sich zwischen zwei Kampfhähnen mit übergroßem Ego ab, und ich bin ihr Einsatz: die Weihnachtsgans! Mit Maronenfüllung! Tolles Neujahrsgeschenk: ein Jahr Schlamassel!

Der Wikinger wirft mich dreimal aus seinem drak-car, mitten in der Nacht, im Schnee, bei −6 °C draußen. Von hier aus gesehen ist das ein Running Gag. Von innen ist es eine griechische Tragödie. Unterlassene Hilfeleistung. Zum Glück hat mein Körper Reserven, und mein Auto ist safe: Ich höre Radio in meinem Kopf: Roxanne, you don't have to put on the car light! Ich bin seine Untermieterin der Liebe geworden, ohne Mietvertrag, seine Luxus-Obdachlose in Teilzeit.

Am nächsten Tag, mitten in einer Massage, läuft es mir plötzlich kalt den Rücken hinunter. Ein Geistesblitz. Der Chef hat keine Gäste mehr und will mich feuern. Der Wikinger will weg und mich feuern lassen, damit ich ihm in sein Königreich folge. Ich spüre, wie sich die Schlinge zuzieht. Meine kosmische Antenne hat mich gewarnt, und es bestätigt sich, als ich von der Arbeit heimkomme.

Der Wikinger beschleunigt meine Hinrichtung — Ich halte es nicht mehr aus, darauf zu warten, dass er dich bezahlt. Soll er sich eine Lösung einfallen lassen, ich fahre.

Der Chef — Ich habe keine Lösung! Tschüss! Und er feuert mich!

Schlimmer noch: Später erfahre ich, dass er behauptet hat, ich hätte gekündigt! Der Mistkerl!

Ich hasse die Berge! Dabei bleibe ich, schwarz auf weiß.

Sie haben beide gewonnen. Jeder hat bekommen, was er wollte.

Und ich? Ausgenommen wie eine Weihnachtsgans! Tiefgefroren!


Sonntag ist Showtime!

Der Journalist — Du willst also die Jungfrau in Nöten retten, um dich an diesem großen bösen Wolf von einem Chef zu rächen?

Der Wikinger — Logisch, ich bin ihr Robin Hood, ihr Ritter in strahlender Rüstung!

Die Autorin — Mein Märchenprinz? Du wirfst mich bei −6 °C raus! Hast du nichts Romantischeres auf Lager? Du wirkst eher wie ein panischer Teenager mit einem imaginären Schwert!

Der Wikinger — Sie nervt mich! Sie redet Unsinn, sie hat mich nie verstanden! Wenn die Polizei an die Tür klopft, ist Ragnarök. Die Runen stehen schlecht. Man dringt in mein Revier ein. Ich setze die Segel.

Der Journalist — Wie schaffst du es, den Kopf über Wasser zu halten?

Die Autorin — In dem Moment? Ich habe viele schlaflose Nächte, dabei ist Schlafen meine Leidenschaft. Und hinterher versuche ich, diese absurden Situationen mit Humor zu lösen, eben mit diesem Buch.

Der Wikinger — Du schläferst mich ein, du bist das reinste Schlafmittel! Bist du krank? Sonst bist du lustiger!

Der Journalist — Kannst du uns mehr über ihn erzählen?

Die Autorin — Oh, er ist brillant, charmant, beliebt… mit Überraschungstüten-Option! Als ich in seinem drak-car lande, fallen mir schnell seine seltsamen Reaktionen auf: übergriffig, bestimmend, maßlos… vor allem bei der Maß. Der Held schleppt sein Päckchen mit sich herum und spielt die drama queen. Da ist es kein Wunder, dass seine Nächsten auf Abstand gehen… Am Ende ist er zutiefst traurig, so allein dazustehen, trotz seines Charmes, seiner guten Absichten und seiner männlichen Kraft. Damals habe ich sein Manöver durchschaut. Aber ich brauchte ein Buch und einen Jazzclub, um herauszufinden, warum.

Der Journalist — Du stellst dir viele Fragen!

Die Autorin — Jede Menge! Zuerst lasse ich die Emotion raus, dann meine Trüffelnase… (sie schnüffelt wie ein Trüffelhund) ich suche, ich suche, ich suche… unter dem Schein die große Angst, die sich dahinter versteckt.

Der Journalist — Beim Wahrheitsspiel: Was haltet ihr voneinander?

Der Wikinger — Oh, sie ist eine großartige Frau! Die an einer sehr hässlichen Abhängigkeit leidet: dem Mitgefühl. Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, kann sie nicht Nein sagen. Und sie idealisiert die romantische Seite ihres Lebens. Das ist übrigens ziemlich charmant, aber bedauerlich, vor allem für sie, denn sie merkt nicht wirklich, was sie braucht.

Die Autorin — Und natürlich glaubst du zu wissen, was ich brauche, und setzt dabei mein Überleben aufs Spiel! Aber ich heiße nicht Roxanne. Nächte draußen verbringen ist nicht mein Ding.

Der Wikinger — Aber warum warst du so ein Waschlappen? Warum hast du nicht reagiert?

Die Autorin — Grenzen setzen braucht Zeit. Also habe ich es geschafft, dir die schnellen Lösungen zu verbieten.

Der Wikinger — Du hattest nichts mehr, du hättest mit mir nach Bas-Valhalla zurückkommen sollen. Das war logisch! Aber du hast mich nicht geliebt!

Die Autorin — Ohne Arbeit und ohne Trollisch zu sprechen: zu riskant! Ich brauchte einen Job. Ich habe alles getan, um einen zu finden. Ich habe dich geliebt!

Der Wikinger — Siehst du, du gibst es zu! Ich wusste es! Du kannst überhaupt nicht verhandeln! An deiner Stelle hätte ich das nie zugegeben!

Die Autorin — Nein, du hättest mir ich liebe dich so sehr gesagt, nur um mich ich liebe dich auch antworten zu hören!

Der Wikinger — Das ist ein Tiefschlag, du Undankbare! Ich habe alles für dich getan!

Die Autorin — Ja, vor allem, um dich selbst davon zu überzeugen! Aber das ist nur dein Ego, das dich in den Schlaf wiegt.

Der Journalist — Und wie hätte sie deiner Meinung nach auf ihren Chef reagieren sollen?

Der Wikinger — Ab und zu ein ordentliches Knie zwischen die Beine, das tut gut!

Die Autorin — Natürlich, daran hätte ich denken sollen! Und mit dir als Boxsack!

Der Wikinger — Gute Idee! Ich wette, du hättest einen Bestseller geschrieben, und unsere Romanze hätte bessere Chancen gehabt!

Die Autorin — Ja! Wie Elizabeth und Darcy*, Harry und Sally*, Scarlett und Rhett*!

Der Wikinger — Hast du nichts Neueres auf Lager? Aber andererseits hast du nicht unrecht… Auch wenn es mir schwerfällt, das zuzugeben: Ich glaube, ich mag es, wenn du mir den Mund stopfst, du ungezogenes Fräulein. Das macht mich an!

Die Autorin — Das sagst du hinterher, aber in dem Moment lässt du kein bisschen locker! Das ist wie bei uns im echten Leben: Alle finden, wir passen gut zusammen und sind zusammen sehr lustig. Und trotzdem stimmt im Roman die Chemie zwischen uns nicht.

Der Wikinger — Siehst du, genau so was sagt man in einem Interview nicht.

Die Autorin — Ah, verstehe, ich darf ohne deinen Segen nicht die Wahrheit sagen.

Der Wikinger — Nicht, wenn du willst, dass man dein Buch liest. Sag einfach: Wir sind von Anfang bis Ende lustig. Du kannst dich echt nicht verkaufen, stupid French woman!

Der Journalist — Reden wir über eure Streitereien, das ist lustiger!

Der Wikinger — Wir streiten wie Mittfünfziger, wir haben uns spät kennengelernt.

Die Autorin — Jep. Wie zwei Pazifisten, die versuchen, sich zu prügeln.

Der Wikinger — Mit einer Feder unter den Füßen! Es macht mir einen Riesenspaß, sie zum Durchdrehen zu bringen.

Die Autorin — Am schlimmsten war es, wenn du geschrien und dabei mit deinem muskulösen Finger auf den Tisch gehämmert hast…

Der Wikinger — Du wolltest es mir nachmachen, und dein Finger ist glatt gebrochen.

Die Autorin — Ich musste eine Schiene tragen, und du hast dich kaputtgelacht!

Der Wikinger — Du bist so clumsy, stupid French woman! Ohne dein Arbeitswerkzeug konnten wir endlich abreisen! Das war zum Brüllen!

Der Journalist — Und du, wirst du nie krank?

Der Wikinger — Ich warte, bis ich im Sterben liege, bevor ich mich behandeln lasse. Das ist kulturell… Meine Antikörper halten alles aus. Ich bin altes Unkraut, und Unkraut vergeht nicht. Ganz anders als ihr Franzosen, die ihr den ganzen Tag Zuckerbonbons lutscht, nur weil die Krankenkasse sie bezahlt. Und dann wundert ihr euch über euren Diabetes!

Der Journalist — Perfekter Übergang! Was schlägst du dem Leser in Sachen Küche vor?

Die Autorin — Sein Rezept für ein verpatztes Festessen aufzuschreiben*.

Der Journalist — Und heute, hast du Lust auf Berge?

Die Autorin — Wie soll ich sagen… Manche haben’s versucht, die hatten Probleme…*

Ein Gratis-Roman zum Online-Lesen: bio, recycelt, ideal zum Feuermachen in langen Winternächten. Er verwandelt Chaos in eine kreative Goldmine, Ängste in Lachen und Leser in Schöpfer. Zero Waste. Sehr umweltfreundlich.

Themen dieses Kapitels

Verpatzter Silvesterabend · Beziehungskrach im Restaurant · wenn dein Freund dich vor deinem Chef blamiert · von heute auf morgen gefeuert · mein Chef behauptet, ich hätte gekündigt · Rache ist ein Gericht, das man kalt serviert