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Die Hängematte und die Kolibris. Ein Roman von Karine BaridonKapitel 21 —
Kühlschrank auf Rädern
Motto
Ich würde lieber Mister Freeze lutschen, mit den Füßen im türkisblauen Wasser!
Der Text
Arbeitsübersetzung, wird noch von Muttersprachlern gegengelesen.
Ich frage Mister Freeze: Was war dein Kindheitstraum?
Der Wikinger aus dem Hohen Norden antwortet mir: Ein Baumhaus!
Ich — Und dein Teenagertraum?
Er — Ein Boot!
Ich — Und dein Erwachsenentraum?
Er sieht mich mit leuchtenden Augen an wie ein Kind vor einem Weihnachtsschaufenster.
Er — Einen Kühllaster! Kein Feuerwehrauto für Kinder. Nein, einen 38-Tonner in XXL!
Ich — Der tote Fische von Rotterdam nach Neapel fährt?
Er — Genau! Ich baue ihn zum Truck um! Isoliert ist er ja schon, ich lege Wasser und Strom und säge Fenster rein, damit man darin wohnen kann.
Ich — Bei deinem Verhältnis zur Dusche hältst du es darin locker ein paar Wochen aus.
Er — Jawoll! Ich stelle ihn mitten in den Wald von Norborea, mit 400 km Bäumen ringsum als Horizont. Ich schließe die Leitungen an und wir leben völlig autark. (Er träumt von Edelstahlschrauben, nach Laune sortiert. Und ich vom süßen Leben. Aber nicht davon, nach Hering zu riechen.)
Ich — Ach ja! Ich sehe mich schon in deinem Traum: in gefütterten Plastik-Crocs voller Wagenschmiere, im leichten Sommerkleid, eingewickelt in eine Rettungsdecke, und ich bete, dass ein Sonnenstrahl durch die Baumkronen bricht.
Er — Ich baue dir eine Solardusche ein!
Ich — Danke für das Angebot, aber ich bin kein 2-für-1-Sonderangebot. Ich komme gern ab und zu an den See Luminör, um deine Sagenwelt zu entdecken, aber nicht, damit du mir deinen Kommando-Lebensstil aufzwingst. Meine Bedürfnisse haben Stimmrecht.
Er — Ich halte dir den besten Platz in meinen Armen frei!
Ich — Nur dass es im Winter 20 Stunden am Tag dunkel ist!
Er — Keine Sorge, mein Truck wird ein Palast. Super bequem. Super isoliert. Und es gibt Platz für alle.
Ich — Ich habe keine Lust, in deinem Truck unter Druck zu leben. Es sei denn, du baust ihn zum Yogastudio um. Das nennt sich Paar, nicht Fanclub. Und wenn ich dich mal in meinen Traum einlade, nur um zu sehen, wie du reagierst?
Er — Okay, schieß los, was schlägst du konkret vor?
Ich — In meinem Traum ist immer Sommer, selbst Ende November. Zwischen Land und Meer, Sonne und Sternenhimmel, auf der Presqu'île du Sel, wo die rosa Flamingos die Könige der Natur sind, von einer wilden, atemberaubenden Schönheit.
Wir richten ein altes ebenerdiges Haus her. Ganz weiß, ganz schlicht, ganz nah am Meer. Mit einer Hängematte und einem Yogastudio auf Pfählen im Garten. Meine Schwester gibt dort Kurse.
Meine Eltern halten Siesta in den Liegestühlen auf der Terrasse, im Schatten der Palmen. Jeder hat seinen eigenen Bereich. Ich einen hellen Raum für Massagen und ein Atelier in einem Glasanbau, um Geschichten wie diese zu erfinden.
Und du, in deinem großen ausgebauten ISO-Seecontainer mit Blick auf die Salzgärten, bastelst, reparierst deine Sammlerboote, baust deine total verrückten Projekte und richtest alles, was dir unter die Finger kommt.
Ein offenes Haus, in dem man draußen lebt, Familie und Freunde empfängt, singt, lacht und mit dem Schlauchboot zur Île du Croco fährt, um am Strand zu picknicken.
Oder ein großes Stück Ackerland, auf dem jeder sein eigenes Haus hat und wir uns sehen, wann wir wollen. Wir teilen schöne Momente, kurz: das Leben! Und wenn wir in Urlaub fahren, dann in ein warmes Land, ans Mittelmeer oder in die Tropen. Und ab und zu in deinen Hohen Norden.
Er, beunruhigt — Warte, ich hole meine Spionagekarte raus: Da, zu viele Mücken. Da, zu viele Leute. Da, zu gefährlich, politisches Regime zu instabil. Bleibt nur noch hier: auf meinem Grundstück, in meinem Kühllaster, mitten im Wald von Norborea, am See Luminör, 400 km von jeder Menschenseele entfernt!
Ich — Okay! Während ich in meiner Hängematte mit Blick auf die Lagune schaukle, isst du tiefgefrorenen Hering vor dem Kaminfeuer, das du mit den Seiten meines Romans angezündet hast, in deiner Blockhütte mitten im Wald.
Zwei Träume. Zwei umgekehrte Klimazonen. Der eine so gültig wie der andere. Und wir treffen uns oft: Das ist machbar!
Sonntag ist Showtime!
Der Journalist — Wikinger, hast du schon immer von Abenteuern geträumt?
Der Wikinger — Schon immer! Eine Hütte, ein Boot, ein Kühllaster. Autark sein ist das schönste aller Abenteuer!
Die Autorin — Nur dass alle seine Träume Verstecke sind.
Der Wikinger — Überhaupt nicht. Ich bin gern mitten in der großen Weite.
Der Journalist — Perfekte Überleitung! Die Baumschützer haben nämlich eine Frage an dich: Warum druckt man im Zeitalter des Virtuellen noch ein Buch? Das ist doch nicht sehr umweltfreundlich!
Die Autorin — Es gibt es auch als Hörbuch und als E-Book! Aber ich bin total haptisch, ich liebe Bücher aus Papier. Ich fasse es gern an, massiere es, streichle es, kritzle Notizen hinein, markiere es, mache Eselsohren rein. Und verleihe und tausche es natürlich!
Der Wikinger — Super! Dann habe ich immer etwas, um mein Kaminfeuer anzuzünden!
Die Autorin — Exzellente Idee! Ich schlage sie gleich IKEA vor:
„Ein Anzünd-Roman, bio, recycelt, für Ihre langen Winterabende.
Kein Verlust. Sehr umweltfreundlich.“
Der Wikinger — Das zündet garantiert und bringt dir mehr ein als dein Schmöker!
Die Autorin — Besser, als mit Waffen zu spielen und sich am Ende zu beschweren, dass damit auf uns geschossen wird! Immer dieselbe Gleichung:
+ Waffen = + Tote = − Leben
Das wächst, wenn man sie teilt, w.z.b.w., das ist die exponentiellste Funktion überhaupt.
Der Wikinger — Kreativ sein ändert daran gar nichts!
Die Autorin — Doch, im Gegenteil! Erschaffen ist Lebenskunst! Je mehr man erschafft, desto mehr teilt man, und desto mehr wächst es! Das ist reine Mathematik: die natürliche Exponentialfunktion. Das Leben erschafft, das ist die Basis! Das ist wie mit der Liebe und dem Humor: Du fängst mit nichts an und landest bei einem Buch, einem Gericht oder einem Baby!
Der Wikinger — Du lebst ja im Einhornland!
Die Autorin — Oh, ich habe vielleicht nicht den Ehrgeiz, alle umzubringen, um an die Macht zu kommen, oder das System zu ändern, das ich nicht sehr seriös finde. Aber bis dahin ermutige ich alle, die wollen, kreativ zu werden. Mit dem Nimm-2-Effekt als Zugabe: in Frieden mit sich selbst leben und vielleicht auch mit den anderen, man weiß ja nie!
Der Journalist — Und was schlägst du dem Leser diesmal vor?
Die Autorin — Erfinde deinen Kindheits-, Teenager- und Erwachsenentraum. Und wenn dir jemand seinen aufzwingen will, erfinde deinen witzigen Konter. Und teil ihn mit uns!
Der Journalist — Letzte Frage an den Wikinger: Warum ein 38-Tonner, ein drak-car-Palast, eine XXL-Halle?
Der Wikinger — Das ist Standardgröße bei Riesen.
Die Autorin — Hmm… Ich habe da eine andere Theorie…
Ein Gratis-Roman zum Online-Lesen: bio, recycelt, ideal zum Feuermachen in langen Winternächten. Er verwandelt Chaos in eine kreative Goldmine, Ängste in Lachen und Leser in Schöpfer. Zero Waste. Sehr umweltfreundlich.
Themen dieses Kapitels
In einem ausgebauten Lkw leben · der Traum von der Hütte tief im Wald · als Paar nicht dieselben Träume haben · wenn der andere dir seinen Traum aufzwingen will · ein weißes Haus am Meer · autark leben